Die Qual der Wahl: Warum es die Zürcher Stoppelrübe wurde
Willkommen zurück zu unserer gemeinsamen Entdeckungsreise! In den letzten Wochen habe ich das Fundament gelegt: Das Hochbeet steht und der Nährboden ist sorgfältig geschichtet. In Teil 2 widme ich dem nächsten Schritt des Projekts: der Aussaat.
Möchtest du wissen, wie ich in Woche 1 das Hochbeet aufgebaut und welche Schichten ich Woche 2 eingefüllt habe? Dann lies das hier in Teil 1 nach.
Woche 3
Das Wichtigste in Kürze
- Sortenwahl: Die „Zürcher Stoppelrübe“ überzeugt durch ihre tiefviolette Schale. Ideal für den späteren Schnitzanlass, da helle Motive stark kontrastieren.
- Aussaat-Tipp: Samen sind winzig! Saattiefe ca. 2–3 cm, 2–3 Samen pro Loch, ausreichender Abstand für späteres Wachstum.
- Lehrplanbezug: Direkte Umsetzung von NMG.2.3 (Wachstum beobachten und beschreiben) und Förderung von Verantwortungsbewusstsein.
Warum gerade die „Zürcher Stoppelrübe“?
Auf der Suche nach dem passenden Saatgut bin ich auf verschiedene Sorten gestossen. Meine Wahl fiel schliesslich auf die Zürcher Stoppelrübe (ProSpecieRara).
Diese Sorte entwickelt hoffentlich eine intensiv und grossflächig violette Schale. Das ist für das spätere Räbeliechtli-Schnitzen ein echter Gewinn. Wenn die Lichter gestaltet werden, leuchten die herausgeschnitzten Figuren und Formen durch das helle Fruchtfleisch und bilden einen wunderschönen Kontrast zur dunklen Aussenhaut. Somit werden die gestalteten Kunstwerke beim Umzug besonders gut sichtbar.
Ein Blick auf die Samen (siehe Bild unten): Sie sind winzig! Ich habe nachgemessen. Die Körner sind zwischen 1 mm und 1.5 mm gross, kugelförmig und dunkelbraun. Kaum zu glauben, dass aus diesem kleinen Korn einmal eine grosse Rübe wird.

Die Aussaat: Schritt für Schritt
Damit sich jede Rübe zu ihrer vollen Pracht entwickeln kann, ist der richtige Abstand entscheidend. Stehen die Pflanzen zu dicht, konkurrieren sie um Licht und Nährstoffe. Das Ergebnis wären vermutlich kleine, kümmerliche Knollen.
So bin ich vorgegangen:
- Vorbereitung: Mit dem Finger habe ich kleine Saatlöcher von circa 2 bis 3 Zentimetern Tiefe in die feuchte Erde gedrückt.
- Die Saat: In jedes Loch liess ich vorsichtig zwei bis drei Samen fallen. Diese „Überzahl“ sichert die Keimung ab. Später werde ich die schwächsten Pflänzchen entfernen (pikieren), damit die Stärksten Platz haben.
- Abschluss: Die Löcher wurden von Hand wieder sanft mit Erde verschlossen und leicht angedrückt.
Bezug zum Lehrplan 21: Pflanzenwachstum verstehen
Dieses Projekt ist weit mehr als nur Gärtnern; es ist gelebter Unterricht, der direkt im Lehrplan 21 verankert ist. Im Bereich Natur, Mensch, Gesellschaft (NMG) finden wir im 1. Zyklus das klare Kompetenzziel:
NMG.2.3 „Die Schülerinnen und Schüler können Wachstum, Entwicklung und Fortpflanzung bei Tieren und Pflanzen beobachten und vergleichen.“
Indem wir den Prozess vom winzigen Samen bis zur erntereifen Rübe erleben und beobachten, fördern wir genau diese Kompetenz auf spielerische Art. Die Kinder lernen dabei:
- Bedürfnisse erkennen: Welche Faktoren (Licht, Wasser, Boden, Wärme) braucht eine Pflanze? (NMG.2.2)
- Zeitverständnis: Wachstum ist ein Prozess, der Geduld erfordert und nicht sofort sichtbar ist.
- Verantwortung: Sie übernehmen die Pflege für ein Lebewesen und beobachten dessen Entwicklung vom Keimling bis zur Rübe.
Woche 4: Rückblick – Keimdauer der Zürcher Stoppelrübe überrascht
Die Woche 4 ist vorbei, und ich muss sagen: Ich bin positiv überrascht! Die Zürcher Stoppelrübe hat nicht lange auf sich warten lassen. Die Samen ruhen nicht mehr, sie sind bereits erwacht.
Überraschend schnelle Keimung
Nach knapp drei Tagen war der erste Keimling bereits sichtbar. Ich hätte nicht gedacht, dass die Keimdauer bei den Räben so kurz ist. Andere Pflänzchen auf meinem Balkon haben teilweise eine Woche oder länger gebraucht, bis sie sich gezeigt haben. Die Zürcher Stoppelrübe scheint es wirklich eilig zu haben und ist damit ideal für ungeduldige Kindergartenkinder, die schnelle Ergebnisse brauchen.

Erfolgreiche Aussaat: Was nun?
Tatsächlich sind aus fast jeder gesäten Stelle zwei bis drei zarte Pflänzli herausgekommen.
- Der Vorteil: Die Keimrate ist super, fast jeder Samen ist aufgegangen.
- Die Herausforderung: Nun steht die Entscheidung an, ob ich pikieren muss.
Was bedeutet Pikieren? Beim Pikieren werden die überzähligen, schwächeren Räben-Pflänzli vorsichtig entfernt oder an einen anderen Ort verpflanzt. Das ist notwendig, damit die stärksten Pflanzen ausreichend Platz zum Wachsen haben und sich zu grossen, kräftigen Knollen entwickeln können. Ein kleiner, aber wichtiger Schritt für den Erfolg des Projekts und ein tolles Lernthema für den Bereich Natur, Mensch, Gesellschaft (NMG).
Fazit
Die Aussaat ist der Startschuss für ein lebendiges Klassenzimmer. Der Prozess lehrt uns und die Kinder, dass aus etwas winzig Kleinem etwas Grosses entstehen kann.
Räbeliechtli
Eines meiner Lieblings Collagebilder und zwar vom Räbeliechtli findest du auch in meinem Quartett mit drei weiteren wichtigen Aspekten des Räbeliechtli-Festes: das Schnitzen, das Singen der Räbeliechtli-Lieder und der Räbeliechtli-Umzug. Damit hast du alle Komponenten für eine umfassende Projektwoche direkt zur Hand.



