Fluch oder Segen? Eine differenzierte Betrachtung
Du hast es sicher auch schon gelesen: „Ich bin gegen KI in Bilderbüchern“ oder „KI hat in der Kunst nichts verloren“. Diese Sätze begegnen mir derzeit oft. Lange habe ich mich gefragt: Soll ich mich diesem pauschalen Urteil einfach anschliessen? Oder lohnt es sich, genauer hinzuschauen? Mein Fazit nach vielen Gedanken und einer Zugfahrt mit Bleistift und Papier. (Ja, die erste Fassung dieses Textes entstand in meinem Notizbüchlein): Ich bin dagegen. ABER ich bin auch sehr dafür! Ja, du hast richtig gelesen. Ich sehe das nicht schwarz-weiss, sondern bewusst differenziert.

In diesem Beitrag nehme ich dich mit auf meine Reise durch die Vor- und Nachteile der Künstlichen Intelligenz und zeige dir, wie ich sie heute in meinem Arbeitsalltag als Lehrmittelautorin einsetze.
Das Wichtigste in Kürze
- Kritik: KI-Modelle werden oft mit urheberrechtlich geschützten Werken trainiert, ohne dass die ursprünglichen SchöpferInnen gefragt oder entschädigt werden.
- Chance: KI kann als Werkzeug dienen, um repetitive Aufgaben zu automatisieren (wie z. B. das Freistellen von Bildern).
- Mein Weg: Ich nutze KI nicht zur Generierung von kreativen Inhalten, sondern als Assistenz:
- Strukturierung von Gedanken (Sprachnotizen)
- Technischen Bildbearbeitung.
- Wichtig: Auf Datenschutz achten!
Warum ich KI kritisch sehe: Das Problem mit dem geistigen Eigentum
Meine grösste Sorge gilt dem Training der KI. Sie bedient sich an Bildern und Texten, für die andere Menschen ihre Kreativität, ihre Zeit und ihr Herzblut investiert haben. Ein Fall hat mich besonders nachdenklich gestimmt: Eine Fotografin klagte gegen ein durch KI generiertes Bild, das ihrer Unterwasser-Aufnahme eines Hundes sehr ähnlich sah. Der Stil und ein paar Details waren anders. Das Gericht entschied jedoch, «…, dass das KI-Bild keine Urheberrechte der Fotografin verletzt.»
Wo ziehen wir hier die Grenze? Klar, wir Menschen lassen uns alle inspirieren: in Museen, in der freien Natur, in Alltagssituationen oder in Büchern. Der entscheidende Unterschied ist für mich jedoch: Wir lassen unsere eigenen Gehirnwindungen arbeiten, interpretieren das Gesehene und Erlebte neu und fliessen mit unserer eigenen Erfahrung in das Werk ein. Denn wenn man z. B. eine Blumenwiese auf eine Leinwand malen möchte, muss man sie zuerst erfahren und erlebt haben. Man kann keine Blumenwiese malen, ohne dass man je eine gesehen hat oder einen Begriff dafür hat, was überhaupt eine Blume ist. Man hat andere vielleicht beim Malen von Blumen beobachtet. Man probiert es selbst ähnlich aus, entwickelt seine Technik weiter oder probiert sogar Neues aus.
Wenn eine KI hingegen einfach aus dem „vollen Süssigkeitenladen“ schöpft, Stile oder Motive sehr ähnlich übernimmt oder kopiert, ohne dass die InhaberInnen des Ladens (die KünstlerInnen) gefragt wurden, ist das für mich verwerflich. Hier braucht es aus meiner Sicht bessere gesetzliche Rahmenbedingungen.
Warum ich KI trotzdem befürworte
Würden wir jede neue Entwicklung ablehnen, würden wir heute zum Beispiel noch jede Socke von Hand schrubben. Die Waschmaschine schenkte uns etwas Unbezahlbares: Zeit. Genau so betrachte ich mittlerweile bestimmte KI-Anwendungen. Es geht nicht darum, die Kreativität zu ersetzen, sondern gezielt und bewusst zu überlegen, wann sie ein sinnvolles Werkzeug ist, Zeit einspart oder den Alltag erleichtert.
Ich habe mich gefragt: Wo kann mir KI helfen, ohne dass ich Urheberrecht verletzte und somit ein ungutes Gefühl habe? Hier sind meine zwei Praxisbeispiele aus dem Alltag.
Beispiel 1: Gedankenfluss beim Spaziergang strukturieren
Ich liebe es, meine Gedanken beim Laufen zu sortieren. Doch Mitschreiben während des Spaziergangs empfinde ich dann doch als zu umständlich. Meine Lösung? Ich habe eine App auf mein Smartphone heruntergeladen, um Sprachaufnahmen zu erstellen. Ich laufe, spreche einfach drauflos und lasse meine Ideen frei fliessen. Am Ende sage ich noch meinen Auftrag dazu, zum Beispiel: „Erstelle daraus eine To-Do-Liste“ oder „Sortiere meine Gedanken nach Themen“.
Und ja. Auch hier habe ich mich inspirieren lassen. Die Gedanken beim Spazieren aufzunehmen, ist ursprünglich nicht meine Idee. Ich habe mich von der Autorin Christine Brand inspirieren lassen, die an einer Lesung davon erzählt hat, dass sie ihre Gedanken für ihre Bücher bei Strandspaziergängen auf Sansibar aufnimmt und so sammelt.
Anschliessend lade ich diese Aufnahme in meine bezahlte KI-App hoch. Warum bezahlt? Damit meine Daten nicht zum weiteren Training der KI verwendet werden, sondern privat bleiben. Das Ergebnis: Eine strukturierte Liste, die oft vollständiger ist als meine handschriftlichen Notizen, weil der Schreibfluss nicht unterbrochen wurde. Aber manchmal gibt es auch Tücken. Wenn ich unklar artikuliert habe schleicht sich auch hier und da Mal ein Fehler ein. Die Vorteile überwiegen für mich jedoch klar. So kombiniere ich Bewegung mit Produktivität. Keine Sorge: Es gibt auch bei mir noch die bewussten Spaziergänge ohne Smartphone!
Beispiel 2: Bildbearbeitung ohne stundenlanges Herumklicken
Jetzt wird es spannend, denn oben schrieb ich ja, ich sei gegen KI-Bilder. Das bin ich auch! Wenn es um das Generieren von Bildern geht. Ich nutze KI gezielt als Werkzeug zur Bearbeitung meiner eigenen Bilder. Meine Collagebilder entstehen aus eigener Hand: Malen, Zeichnen, Ausschneiden und Aufkleben. Aber für den Druck und die digitale Weiterverarbeitung müssen sie nun mal im PC landen. Dafür werden die Bilder eingescannt. Damit der weisse Papierhintergrund verschwindet, habe ich früher Stunden damit verbracht, diese Bilder im Layout-Programm freizustellen und haargenau auszuschneiden.
Heute lasse ich das die KI machen. Da meine Collagen einen klaren Kontrast zum weissen Hintergrund haben, erkennt das Tool die Formen in Sekunden. Was früher Stunden dauerte, geht jetzt in weniger als einer Minute. Das Ergebnis ist identisch mit meiner Handarbeit, aber ich gewinne wertvolle Zeit für neue kreative Ideen. Das ist für mich ein fairer Fortschritt. Ähnlich wie die Waschmaschine für die Wäsche.

Mein Fazit: Es kommt auf das „Wie“ an
Bin ich also gegen KI? Ja und Nein. Ich bin für den bewussten und gezielten Einsatz als Werkzeug zur Arbeitserleichterung. Wenn wir die Technik nutzen, um uns im Alltag Freiräume für andere Aufgaben und Aktivitäten zu schaffen, finde ich das eine Bereicherung. Ich bin, aber gegen den Einsatz auf Kosten von Kreativschaffenden!
Hast du schon Erfahrungen mit KI im Schulalltag gemacht? Wie erstellst du Kindergartenmaterialien? Bei welchen Punkten bist du skeptisch? Fühlst du dich unsicher was du darfst und was nicht? Hier ist ein Link für das faire Teilen von Lehrmitteln: https://www.share-fair.ch/
Quelle: Künne, Christoph: „Urheberrechts-Schock: Wem gehört der Hund unter Wasser?“, in: DOCMA Blog (23.07.2026), URL: docma.info (abgerufen am 25.08.2026).
Möchtest du Zeit sparen, ohne auf handgemachte Qualität zu verzichten? In meinem Shop findest du zahlreiche Lehrmittel und Collagenbilder, die mit viel Liebe zum Detail entstanden sind. Stets passend zum Lehrplan 21.




